Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet Unternehmen erstmals, einen Nachhaltigkeitsbericht nach festgelegten Standards zu erstellen. Organisationen, für die diese Pflicht noch nicht gilt, können die Chance nutzen, sich nachhaltig aufzustellen und darüber zu berichten. Auch im Wettbewerb um Auszubildende und Fachkräfte wird Nachhaltigkeit zum entscheidenden Kriterium. Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, Taxonomie-Verordnung und Maßnahmen zur Klimaneutralität zielen ebenfalls auf nachhaltiges Wirtschaften ab. Die Richtlinie ist am 5. Januar 2023 in Kraft getreten. Die neuen Vorschriften müssen 18 Monate später von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden, also bis 6. Juli 2024.

Welche Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen und welche Lösungen für Berichterstattung und Ermitteln relevanter Betriebsdaten es gibt, haben wir für Sie zusammengestellt.

Richtlinie und Initiativen für Berichterstattung

Die Corporate Sustainability Reporting Directive ist die Weiterentwicklung der Non-Financial Reporting Directive. Ziel ist, die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa auf eine Stufe mit der Finanzberichterstattung zu stellen. Wichtige Elemente der CSRD sind einheitliche EU-Standards für Nachhaltigkeitsinformationen, die sog. European Sustainability Reporting Standards (ESRS): Unternehmen, die zukünftig Nachhaltigkeitsberichte auf der Grundlage der CSRD erstellen müssen, legen Informationen zu den ESRS offen.

Ein großer Teil dieser Standards greift dabei auf Erfahrungen von Unternehmen zurück, die nach der Global Reporting Initiative (GRI) berichten. Die GRI besteht fort, Anwender berichten freiwillig zu den Auswirkungen ihrer Organisation auf Umwelt, Menschen und Wirtschaft.

Parallel dazu werden aktuell auf internationaler Ebene die International Financial Reporting Standards entwickelt (IFRS). Die IFRS-Stiftung und GRI haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, ihre Arbeiten eng zu koordinieren.

Europäische Berichtsstandards (Quelle: DRSC)

Zukünftig soll es folgende 4 Sets geben:

SetInhaltVeröffentlichung delegierter Rechtsakte
Set 112 Berichtsstandards:
Allgemeine Anforderungen an einen Nachhaltigkeitsbericht und allgemeine Angaben (ESRS 1 und 2)
Umwelt: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser- und Meeresressourcen, biologische Vielfalt und Ökosysteme, Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft (ESRS E1-E5)
Soziales: Eigene Belegschaft, Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette, betroffene Gemeinschaften, Verbraucher und Endnutzer (ESRS S1-S4)
Unternehmenspolitik (ESRS G1), u.a. Unternehmenskultur, Lieferantenbeziehungen, Lobbying, Schutz von Whistleblowern, Zahlungspraktiken
Durch EU-Kommission verabschiedet am 31.07.2023, gilt ab 01.01.2024
Set 2Branchenbezogene Standards für 10 Branchen,
vereinfachte Berichtsstandards für börsengelistete kleine und mittlere Unternehmen, ggfs. Erweiterungen für Set 1
Voraussichtlich Mitte 2026
Set 3 und 4Branchenbezogene Berichtsstandards für voraussichtlich
ca. 30 weitere Branchen
In Planung
European Sustainability Reporting Standards

Wesentliche Aspekte der CSRD

Für die Berichterstattung nach CSRD sind folgende Aspekte wichtig:

  • Doppelte Wesentlichkeit, d.h. welche Auswirkungen hat die eigene Geschäftstätigkeit (inside-out) und welche finanziellen Risiken und Chancen gibt es durch die Einwirkungen von außen (outside-in). Also z.B. welche Auswirkungen hat das eigene Unternehmen auf den Klimawandel (u.a. CO2-Emissionen, Energieträger und -verbrauch) und welche Folgen hat das für das Unternehmen, insbesondere finanzielle Aspekte.
  • Wertschöpfungskette: Beim Bestimmen der wesentlichen Aspekte im Nachhaltigkeitsbericht werden nicht nur die Themen berücksichtigt, auf die das Unternehmen direkten Einfluss hat, sondern auch vor- und nachgelagerte Stufen der Geschäftsbeziehungen, die nachhaltigkeitsrelevant sind (z.B. Rohstoffherstellung, Formulieren, Beschichten).
  • Managementsystem: Für wesentliche Themen muss das Unternehmen seine Strategie (Policy), Ziele (Targets), Kennzahlen (metrics) sowie Maßnahmen (actions) festlegen und den Fortschritt darstellen. Nach ESRS wird die mittelfristige und langfristige Perspektive gefordert. Als kurzfristig wird beschrieben, was im jeweiligen Berichtsjahr anfällt. Ereignisse bis 5 Jahre nach Berichterstattung gelten als mittelfristig, über 5 Jahre als langfristig. Zwischenziele müssen definiert und abgerechnet werden, um den jährlichen Fortschritt sichtbar zu machen.

Wer ist betroffen?

Die Berichtspflicht nach CSRD gilt zukünftig für mehr als 15.000 Unternehmen in Deutschland, und zwar für:

  • Ab 2025: Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, die bereits nach CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz berichtspflichtig sind
  • Ab 2026: große Unternehmen, die bisher nicht berichten müssen. Als groß gelten Unternehmen, die am Bilanzstichtag mind. zwei der drei Merkmale erfüllen:
    • Bilanzsumme: mind. 25 Mio. €
    • Nettoumsatzerlöse: mind. 50 Mio. €
    • Durchschn. Zahl der während des Geschäftsjahres Beschäftigten: mind. 250
  • Ab 2027: an der Börse gelistete Unternehmen (Ausnahme: Kleinstunternehmen*)
  • Ab 2029: bestimmte Nicht-EU-Unternehmen

Die Berichtspflicht besteht jeweils für das vorherige Bilanzjahr, also erstmalig für das Geschäftsjahr 2024. Informationen müssen bis zum 30. April des Folgejahres offengelegt werden, d.h. die ersten Unternehmen müssen bis 30.04.2025 über das Geschäftsjahr 2024 berichten.

*Definition Kleinstunternehmen: Unternehmen, die am Bilanzstichtag mind. zwei der drei Merkmale erfüllen:
Bilanzsumme: max. 450.000 €, Nettoumsatzerlöse: max. 900.000 €, Durchschn. Zahl der während des Geschäftsjahres Beschäftigten: max. 10

(Quelle: Delegierte Richtlinie)

Das sollten Unternehmen tun

Zunächst müssen Unternehmen prüfen, ob sie betroffen sind. Diese sind dann gut beraten, bereits jetzt zu planen, wie sie den geforderten Nachhaltigkeitsbericht erstellen und wer zuständig ist. Die Berichterstattung muss in einem separaten Abschnitt des Lageberichts erfolgen. Der Bericht soll maschinenlesbar sein und er muss geprüft werden, durch Abschlussprüfer, Wirtschaftsprüfer oder unabhängige Anbieter. Tochterunternehmen werden grundsätzlich von der Berichterstattung befreit.

DNK-Erklärung (Quelle: DNK)

Eine Möglichkeit zum Erstellen von Nachhaltigkeitsberichten bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Unternehmen berichten zu den gefragten Inhalten („comply“). Werden Kriterien nicht erfüllt, weil sie nicht zutreffen oder noch nicht umgesetzt sind, können Unternehmen dies erklären und Ziele für die Umsetzung benennen („explain“). Anhand von 20 Kriterien werden relevante Informationen erfasst, von der Geschäftsstelle des DNK auf formale Vollständigkeit geprüft und dann online veröffentlicht. Die Datenbank umfasst aktuell mehr als 1000 Erklärungen und macht die Aktivitäten der teilnehmenden Unternehmen transparent und vergleichbar.

Die Anpassung der DNK-Erklärung an Anforderungen der CSRD in Bezug auf die schrittweise erweiterte Berichtspflicht, zusätzliche Themen, Methoden aus dem Risikomanagement, branchen- oder unternehmensspezifische Themen sowie die Prüfpflicht ist geplant.

Softwareanwendungen

Zusätzlich kann HSEQ Software Sie dabei unterstützen, Ihre Umweltbetriebsdaten zu ermitteln sowie Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu gewährleisten (vgl. ESRS E1-E5 und ESRS S1), also u.a.:

  • Einsatz von Wasser, Rohstoffen, usw.
  • Abfallmenge, Abwasser, Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
  • Energiebilanz, Klimabilanz
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz, z.B. Gefährdungsbeurteilung, SGA-Vorfälle

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